Übermorgen, am 24. Januar 2019, soll der Karikaturist Dieter Hanitzsch den Ernst-Hoferichter-Preis empfangen.

Herr Hanitzsch ist in München im abgelaufenen Jahr geradezu zu einer Symbolfigur für eine typisch deutsche Gemengelage aus Anti-Israelismus und Antisemitismus geworden. Anlass dafür war seine gelinde gesagt nicht gelungene Karikatur des israelischen Ministerpräsidenten.
Die Süddeutsche Zeitung, die ihn bis dato beschäftigte, sah sich damals genötigt, die Zusammenarbeit mit Herrn Hanitzsch daraufhin zu beenden.

Es ist nun unerheblich, inwieweit die grenzwertig antisemitische Wirkung der Hanitzsch-Karikatur vom letzten Jahr beabsichtigt war oder nicht. Tatsache ist, dass SPD-Kreise schon öfters mit Preisverleihungen an Ihresgleichen die Grenzen des guten Geschmacks ausgetestet haben (Günter Grass 2012 ausgerechnet kurz nach seinem Anti-Israel-„Gedicht“, Robert Menasse jetzt, letztes Jahr Schlepperkapitän Reisch u.v.a.m.). Die Preisverleihung an Dieter Hanitzsch ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt und die akkurat einen Viertelton danebenliegende Stellungnahme der Preisverleiher dazu passen in diese Reihe.

Jury-Erklärung zum Ernst-Hoferichter-Preis an Dieter Hanitzsch

Prominentestes Mitglied dieser Jury ist der Alt-Oberbürgermeister Christian Ude.

Wir hatten daran gedacht, morgen einen Dringlichkeitsantrag im Stadtrat zu stellen. Siehe dazu den halboffenen Brief an den Ältestenrat von unserem Stadtratsmitglied Fritz Schmude.

Das ist nun nicht möglich, da die Stiftung, die den Preis verleiht, gar keine städtische Stiftung ist. Damit kann der Stadtrat sie auch nicht zu einem bestimmten Verhalten zwingen. Es werden auch keine Steuergelder verteilt, also sollen die ausnahmslos SPD-nahen Damen und Herren ehren, wen und welchem Zusammenhang sie wollen. Und sich schämen.

Zusammen mit Herrn Hanitzsch sollte auch die Schriftstellerin Christine Wunnicke geehrt werden. Frau Wunnicke sah sich nun durch diese ganze Angelegenheit ihrerseits genötigt, den Preis zu verweigern. Sie schrieb dazu auf Facebook: „Ich glaube, dass ich mein (einsames) Beharren auf einem ‚Unentschieden‘ im Fall Hanitzsch anders nicht mehr zum Ausdruck bringen kann. […] Meine Ablehnung des Preises bedeutet nicht, dass ich mich den Protesten gegen den Preis für Hanitzsch anschließe. […] Die Reaktionen auf die Proteste habe ich als unterkomplex, unsensibel und selbstgerecht empfunden.“

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

Auch der BR hat berichtet: Wunnicke will ein „Unentschieden“ zum Ausdruck bringen